Abschied von Josef Haag (* 5.7.1930; † 4.2.2021), Bethlehemmissionar SMB.
Lebenslauf
geboren | 5. Juli 1930 |
Priesterweihe | 26. Mai 1957 |
Simbabwe: St. Joseph's: Seelsorge, Betreuung von Schulzentren | 1959 – 1966 |
Mutero: Leitung, Seelsorge | 1967 – 1974 |
Mashava/Madangombe: Seelsorge | 1975 – 1981 |
St. Anthony's: Leitung, Seelsorge | 1982 |
Bangala: Seelsorge | 1983 – 1991 |
Chiredzi: Leitung, Seelsorge, Dekan | 1992 – 1997 |
Moyo Musande: Seelsorge | 1998 – 2005 |
Mvuma: Leitung, Seelsorge | 2006 – 2017 |
Driefontein, Chaka: Seelsorge | 2018 – 2021 |
verstorben | 4. Februar 2021 |
Nachruf (von Walter Kaufmann SMB)
Ich war zusammen mit Josef Haag auf der Missionsstation St. Joseph’s. Er wohnte und arbeitete auf einem der zwei grössten Aussen-Centers: in Chinyuni. Das war 1964. Später ergab es sich, dass Josef mein Oberer wurde in Mutero. Schon damals war ich beeindruckt von seinem ruhigen, genauen Schaffen. – Heute kann ich euch mehr aus seinem Leben berichten.
Josef Haag hat ganze 54 Jahre lang in Zimbabwe gewirkt. Er war ein eifriger und begabter Missionar. Sehr lange konnte er ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen wirken. Mit 91 Jahren ist er am 4. Februar 2021 in Driefontein, infolge akuter Krankheit verstorben.
Josef wuchs in Gabris TG auf und besuchte das Gymnasium in Immensee. Die Matura erwarb er mit einem blanken Sechser. Im Jahr 1951 schloss er sich der Missionsgesellschaft Bethlehem an und empfing 1957 die Priesterweihe.
Noch im gleichen Jahr – also im Alter von 27 Jahren – reiste Josef in das damalige Südrhodesien aus. Es mag uns erstaunen, dass er für das Erlernen der englischen Sprache sowie das Erlernen der Shona-Sprache insgesamt bloss ein halbes Jahr benötigte. Sehr bald übernahm er von der St. Joseph’s Mission den Aufbau und die Organisation der Aussenschulen. Dies gehörte generell zur Hauptaufgabe der Missionare, denn es ging darum, christliche Zentren zu gründen, und hierfür waren die Schulen ein wichtiger Stützpunkt. Josef legte sich mit grossem Eifer ins Zeug, so sehr, dass Bischof Alois Haene ihn 1967 zum Oberen der Mutero Mission bestellte. Von da an folgte eine Reihe von Seelsorge-Einsätzen: Mashava (1975–1982), es war während des Befreiungskriegs, St. Anthony’s (1982), Bangala (1983–1991), Chiredzi (1992–1997), Moyo Musande (1998–2005) und Mvuma (2006–2018). Mitbruder Joe Elsener sagt: «Josef Haag war ein ausgezeichneter Kenner der Bewohner im Chilimanzi Distrikt und ihrer Traditionen. Mitbruder Gabriel Imstepf ist beeindruckt, wie Josef Haag Kartei mit den Familiennamen führte: «Josef kannte fast jeden Kraal. Aufgrund der Register wusste er um Eltern und Kinder und konnte sagen, wer schon Kommunion und wer noch nicht die Firmung gehabt hatte.»
«Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.»
Während des Befreiungskrieges war Fr. Haag in Mashava stationiert. Mitbruder Isenegger erinnert sich, wie Haag eines Morgens von drei Guerilleros herausgeholt worden sei, zur ersten Kontaktnahme mit dem Guerillaführer. Es scheint, dass Gefahr und Einsamkeit in Mashava dem Missionar kaum Mühe machten.
Josef Haag nahm auch über-pfarreiliche Aufgaben wahr. In den verschiedenen Gebieten des Bistums diente er mehrmals als Dekan und war auch im Auftrag der SMB-Gemeinschaft als Studienpräfekt tätig (2001–2005). Im Vorfeld von Meetings hatte er die Dokumente gründlich studiert. Dank seines ausgezeichneten Gedächtnisses konnte er Mitbrüder mit seiner verlässlichen Erinnerung an Details unterstützen.
Für Schule und Kirche wirkte er auch als umsichtiger Bauherr, zuletzt beim Aufbau des Kirchenzentrums von Mvuma.
2018 übergab Josef die Pfarrei Umvuma einem einheimischen Seelsorger und zog ins Regionalhaus der SMB nach Driefontein um. Aber von Ruhestand sollte keine Rede sein. Als Seelsorger stellte er sich der 20 Kilometer entfernten Pfarrei Chaka zur Verfügung. Dort nahm er auch bald wieder Wohnsitz und verbrachte nur eine Nacht pro Woche im Regionalhaus. Er entsprach dem Bild eines Missionars nach dem Typus «Vom-Trab-ins-Grab». Wenn er nebst all dem Vielen, das gut gelungen war, auch Fehler gemacht hat, dann gewiss nicht aus Unterlassung; wenn schon, dann aus Übereifer. – In seinem Testament schreibt Josef zum Schluss. «Jene, denen ich Unrecht getan habe, bitte ich um Verzeihung. Und wer glaubt, mir Unrecht getan zu haben, der kann sicher sein, dass ich vergeben habe. – Auf Wiedersehen im Himmel.»