Abschied von Karl Stähli (* 7.2.1937; † 18.3.2017), Bethlehemmissionar SMB.
Lebenslauf
geboren | 7. Februar 1937 |
Eintritt in die SMB | 23. September 1958 |
Priesterweihe | 21. März 1964 |
Einsatz im Bildungsdienst der SMB | 1964 – 1967 |
Chinesischstudium in Xinzhu | 1967 – 1969 |
Pfarrer in der Diözese Hualian, Daxi | 1969 – 1972 |
Weiterbildung im EAPI in Manila | 1973 – 1974 |
Pfarrer in der Diözese Hualian, Luye | 1974 – 1975 |
Pfarrer in der Diözese Hualian, Guanshan | 1978 – 1983 |
Einsatz im Bildungsdienst der SMB | 1983 – 1985 |
Pfarrer in der Diözese Gaoxiong, Taoyuan | 1985 – 2017 |
verstorben | 18. März 2017 |
Nachruf von Laurenz Schelbert
Alle nannten nannten ihn Tschalaway, nach dem Refrain eines Liedes, das während seiner Studienzeit populär war. Es passte zu ihm, er verbreitete eine wohltuende Atmosphäre. Es ist nicht leicht zusammenzufassen, wie ich Tschalaway erlebt habe, aber ich will es versuchen.
Ein Leben in Fülle
Ich glaube, dass er wirklich ein Leben in Fülle gelebt hat. Wir sind 1967 zusammen auf einer sechswöchigen Schiffsreise von Marseille, um Afrika herum bis Keelung, Taiwan, gereist. In seinem ersten Weihnachtsbrief erzählte er dann vom mehrere hundert Hektaren grossen Markt in Dakar, von den Sitzbänken am Strand von Durban mit der Aufschrift: «Nur für Weisse» und dem Konzert auf der Bambusorgel in Manila.
Wie für uns alle war das Studium der chinesischen Sprache eine harte Nuss für ihn. Er hatte zwar ein sehr gutes Gedächtnis, er hätte aber lieber mit den Leuten auf der Strasse oder in einer Familie geplaudert, als die Schulbank gedrückt.
Sein erster Missionseinsatz war dann in Daxi, einer Paiwan-Gemeinde. Damals gab es noch kein Wörterbuch dieser Sprache. Aber er konnte den Leuten aufs Maul schauen und lernte so ihre Ureinwohnersprache. Nach seinem ersten Heimaturlaub durfte er sich am Ostasiatischen Pastoralinstitut in Manila weiterbilden. Dort hat er auch Freundschaften fürs Leben geschlossen.
Zurück in Taiwan arbeitete er in der Pfarrei Luye, wo er den ersten Kontakt mit dem Volk der Bunun hatte. Aber schon nach einem Jahr wurde ihm die viel grössere Pfarrei Guanshan mit der ganzen Berggemeinde von Haiduan anvertraut. Dort wurde vor allem Bunun gesprochen. Daher erlernte Karl die Sprache dieses Ureinwohner-Volkes, um sich von nun an ganz ihrer Seelsorge zu widmen.
Als dann in Guanshan ein Priester vom Volk der Bunun Pfarrer wurde, berief ihn der spätere Kardinal Shan in die Diözese Gaoxiong als Pfarrer für das Bergdorf Taoyuan,. Denn dort gab es noch keinen Priester aus ihrem Stamm. Er war der erste Priester, der in der Pfarrei lebte. Es brauchte aber ziemlich viel, bis diese Bergler Zutrauen fassten zu ihm. Einmal sagte er mir ganz glücklich, er hätte jetzt eine Ureinwohnertracht geschenkt bekommen, da man jetzt sein Bunun verstehen würde,
Die zwei Hauptdörfer seiner Pfarrei Taoyuan (Pfirsichhain) und Meishan (Pflaumenberg), sind ihm wirklich ans Herz gewachsen, vor allem die Menschen dort. Er wusste auch die heissen Quellen dort zu schätzen, bis der Taifun Morakot 2009, ihn dieser Gesundheitsquelle beraubte. Aber von den 30 Jahren in der Pfarrei, wohnte er auch zwei Jahre lang im Dorf Erjituan, einem Dorf, 1100 m ü. M., das nur wenige Tage im Jahr überhaupt keinen Nebel hat. Auch dort baute er die kleine Gemeinde auf. Aber sogar für eine Frohnatur wie Tschalaway war dieses Klima eine Belastung. Und er fühlte sich dort recht einsam.
Ein frohes Leben
Wir alle kennen Tschalaway als eine Frohnatur. Das war er auch. Aber es ist gut zu wissen, dass das nicht selbstverständlich war. Er sagte mir einmal: «Die Zeit vor acht Uhr morgens, gehört mir und dem Herrgott.» Er war eine Frohnatur mit Tiefgang. Ich denke da z.B. an einen von ihm geleiteten Rekollektionstag. Das Thema war: «Der Clown». Er zeigte, wie Jesus es verstand, sich mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Leidenden zu weinen. Ich glaube, das war auch Tschalaways Stärke. Er war sehr feinfühlig, konnte sich einfühlen. Das machte ihn aber empfindlich, auch wenn er das nicht zeigte. Anerkennung und Lob taten ihm sehr gut und wenn er das nicht erleben konnte, litt er darunter.
Aber Tschalaway konnte sich wirklich freuen: «Schau einmal, ist das nicht schön!», konnte er ausrufen, wenn wir durch eine schöne Gegend fuhren. Von ihm lernte ich auch ein bisschen, das Leben zu geniessen. Bei einem guten Tropfen, konnten wir einander eine ganze Nacht Geschichten erzählen und die Welt verbessern. Das schätzte er über alles. Warum wäre er sonst von seiner Pfarrei aus, fünf Stunden nach Taidong gefahren, wenn nicht wegen dieses Austauschs.
Ein Leben für die Andern
Wenn jemand ein Bedürfnis hatte, war ihm nichts zu viel, um einem zu helfen. Wie oft hat er mich in Gaoxiong abgeholt und wieder zurückgebracht? Und wie viele Kranke hat er ins Spital gebracht. Er hatte immer Zeit für andere. Für eines der Dörfer, wo er regelmässig einmal im Monat Gottesdienst feierte, brauchte er zwei Stunden zur Hinfahrt. Es gab zwar in diesem Dorf nur etwa ein halbes Duzend Gläubige. Aber auch ihnen wollte er Priester sein.
Was ihn sehr beschäftigte war die Zukunft der Familien und vor allem der Kinder. Er fand Wohltäter in Taiwan und in der Schweiz, die für diese Kinder das Schulgeld für die Mittelschule bezahlten. Dafür werden sie ihm ein Leben lang dankbar sein.
Die letzten fünf Tage, als er schon im Koma war, durfte ich ihn im Spital begleiten. Ich habe die Besucher nicht gezählt. Aber an einzelnen Tagen waren es bestimmt über hundert. Sie beteten an seinem Bett, sangen die Bununlieder, die er so oft mit ihnen eingeübt hatte. Eine junge Familie mit zwei Babies kam und die junge Mutter sagte, dass sie ihm die Schule verdanke. Drei Schülerinnen und ein Schüler, waren zuerst etwas verlegen, sangen dann aber ein chinesisches Lied für ihn und sagten ihm: «Wir lieben dich. Jiāyóu (Gib Gas!)»
Nun ist Tschalaway von uns gegangen und ich glaube fest, dass das Leben in Fülle, das uns Jesus versprochen hat, nun das Leben ist, in das er eingeht.