Max Enderle

Abschied von Max Enderle (* 4.6.1926; Max Enderle † 11.3.2017), Betlehemmissionar SMB.

13.04.2017

Lebenslauf

geboren 4. Juni 1926
Priesterweihe 29. März 1953
Vikar und Seemannsmissionar in Kamaishi/Japan 1956 – 1963
Pfarrer von Tono (ab 1991 auch von Kamaishi), Betreuung von Kindergärten 1963 – 2012
Pensionär im Missionshaus Immensee 2012 – 2017
verstorben 11. März 2017

Nachruf von Josef Christen SMB

Sein Vater war dort Spitalverwalter. Max war kein Einzelkind: Norbert, Hildegard und Roland zählten zur Familie. Sein Wunsch ging in Richtung Priester und Missionar. Darum besuchte er das Gymnasium Immensee und das Seminar Schöneck. Nach der Priesterweihe 1953 erhielt er die Sendung für Japan.

Ich möchte das Leben von Max etwas in drei Punkten darstellen:

a) Angekommen 1953 in Japan, das noch stark gezeichnet war vom Zweiten Weltkrieg, begann Max seine missionarische Tätigkeit im Land der aufgehenden Sonne und des Fujiyama. Das erste war das Erlernen der japanischen Sprache und der Zeichen. Eine Knochenarbeit. Dann kam für ihn die Praxis, die Pastoralarbeit. Sie begann in Kamaishi am Meer mit seinem Freund Josef Hugentobler. Ein altes Haus diente als Kirchlein im Hafenviertel. Jeden Abend gab’s lärmigen Betrieb in den Kneipen, und es roch nach Rauch und Fisch. Regelmässig brachten grosse Kähne Alteisen für das Stahlwerk. Viele christliche Matrosen waren auf diesen Schiffen. Max hielt Gottesdienste für sie.

Später erfolgte der Bau einer soliden Kirche mit Pfarrhaus. Die erste im ganzen Iwateken mit Eisenbeton. Wenn sich die Nachbarmissionare zu einem Zusammensein trafen, zeigte Max seine höchst interessante Briefmarkensammlung oder spielte mit seiner Handorgel frohe Tanzmusik.

Ab 1963 kommt Max nach Tono. 40 Jahre lang war dies sein Arbeitsfeld und seine japanische Heimat. Er fand eine sehr gute und verständnisvolle japanische Köchin, Torii Sayo, die treu und gut für ihn sorgte. Max verstand die Betreuung des grossen Kindergartens als eine seiner Hauptaufgaben. Er hatte einen guten Draht zu den Kindergärtnerinnen und konnte sie motivieren. Auch die Pfadi schätzte seine Leitung. Er hatte auch hier ein Herz für diese jungen Pfadfinder.

Die Mitbrüder Josef Hugentobler und Jonny Rohner halfen Max sehr, wenn es um schwierige Verhandlungen ging mit den Behörden in Sachen Landkauf und Landabtausch und Verlegung von Kirche und Kindergarten in Tono.

Max verhalf rund vierzig jungen Frauen und Männern zu einem nutzbringenden Aufenthalt in Europa, auch in der Schweiz. Einige junge japanische Bauern lernten, wie man Käse produziert. Einer von ihnen, ein Bekannter und Freund von Max, ist Damian Tadasan von Tono.

1991 übereichte die Stadt Tono unserem Max zum 65. Geburtstag eine schöne Auszeichnung als Förderer des kulturellen Austausches Ost-West.

Später suchte der Regionalobere einen Mitbruder für Kamaishi, die Nachbarspfarrei von Tono. Max war bereit, nebst Tono auch noch Kamaishi zu übernehmen. Etwa eine Stunde Autofahrt. Er fuhr ja sehr gerne Auto, und es waren abwechslungsreiche, hügelige Fahrten. Das war sicher ein Vergnügen für Max, wohl auch ein Grund zur Zusage für diese Doppelaufgabe. Der Max war ja schlau. 2012 kehrte er dann in die Schweiz zurück. Es war ein schmerzlicher Abschied. Japan und die Menschen sagten ihm alles, denn in Japan hatte er seine Lebenswurzeln. Aber gesundheitlich konnte er die Arbeit nicht mehr leisten. Deshalb die Rückkehr nach Immensee.

2 Kor 1, 24

«Ich betrachte mich nicht als Richter über euren Glauben. Meine Aufgabe ist es doch, zu eurer Freude beizutragen.»

b) Max war beliebt bei den Mitbrüdern. Alle schätzen seine Grosszügigkeit. Er konnte leicht ihm beliebte Sachen frei weggeben, nicht nur Briefmarken. Seinen ausgeglichenen Charakter liebten alle, vor allem seine Arglosigkeit.

Mit Jonny Rohner und Josef Hugentobler ging er Skifahren, machte Bergwanderungen mit ihnen, oder sie schwammen im Meer. Bei einigen Japanern waren sie bekannt als die drei Falken. Wie hatte Max gearbeitet? Es gelang ihm, gute Leute zu finden für die Administration des Kindergartens und der Pfarrei, und er besass die Gabe zu delegieren. So schuf er mehr Selbständigkeit und fand mehr Zeit für seine Hobbys. Da er so gastfreundlich sein Pfarrhaus führte, kamen die Leute gern zu ihm. Sein feiner Humor strahlte Liebenswürdigkeit aus.

c) Seit 2012 lebte Max im Missionshaus, durfte aber nochmals für einen Monat zu einem Jubiläum nach Japan zurück. War das eine Freude für ihn! Kaum war er wieder zurück in Immensee, wollte er wieder aufbrechen und auch mit neunzig noch eine Pfarrei in Japan übernehmen.

Uns bleiben seine Freundlichkeit und seine vielen Fragen vor dem Anschlagbrett: «So, isch wieder öppis los?» Alle fünf Minuten: «Was isch etz für Zyt?» Und dann kam sein: «Sodesnee!!» (ja, so ist es). Er bastelte gern in der Altersaktivierung besonders dann, wenn’s was Süsses gab. Ein- bis zweimal im Jahr lud er sich zum Sushi-Essen nach Luzern oder Zürich ein. Max war ein Geniesser.

Schnell ging es mit ihm bergab, letzte Woche. Er war vier Tage lang krank und verliess uns alle am Samstag. Der Verlust für uns ist gross. Max hatte eine wohlwollende Ausstrahlung.

Wir danken ihm für seinen grossen missionarischen Eifer und für seine gütige Liebe zu den Menschen.

«Max, shimpusama sayónara!»